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Doktortitel "Wenn Geld fließt, ist das Titelkauf" - Interview im Managermagazin für die Sparkassen-Finanzgruppe Ausgabe August 2005 - die Fragen stellte Sigi Lieb Autor: Rechtsanwalt Dr. Rutger von der Horst Köln, Münster, Los Angeles
Sparkasse: Wann ist die Vermittlung eines Doktorvaters legal?
Dr. Rutger von der Horst: Die bloße Vermittlung eines Doktorvaters, die keine inhaltliche Hilfestellung bei der eigentlichen Ausarbeitung einer Dissertation umfasst, ist - auch entgeltlich - legal.
Sparkasse: Welche Beratungs- und Hilfeleistungen sind erlaubt?
Dr. Rutger von der Horst: Wenn es bei der bloßen Beratung bleibt, ist diese erlaubt. Auch das Delegieren von einfachen Recherchearbeiten ist erlaubt. Wenn Sie die von Ihnen selbst verfasste Dissertationsschrift Ihrer Großmutter vorlegen, um zu erfahren, ob diese den Text versteht, so ist auch dies erlaubt.
Sparkasse: Wann wird die Promotionsberatung illegal?
Dr. Rutger von der Horst: Nicht erlaubt ist das Erarbeiten oder Verfassen des unter Ihrem Namen eingereichten Textes, auch nicht in Teilen. Überall wo eine intellektuelle Arbeit geleistet werden muss, ist diese vom Promovenden zu erbringen. Immer, wenn Geld fließt, um einen Doktorgrad zu bekommen - und sei es in Form einer "Spende" - ist das Titelkauf. Das nachzuweisen, ist oftmals jedoch schwierig.
Sparkasse: Welche Sanktionen drohen?
Dr. Rutger von der Horst: Wird ein Doktortitel erschlichen, folgt bei Bekanntwerden die Aberkennung des akademischen Grades und mitunter auch die fristlose Entlassung. Außerdem kann Titelkauf mit empfindlichen Geld- und sogar Freiheitsstrafen bis zu einem Jahr geahndet werden. Auch der Titelvermittler macht sich strafbar. Ihm drohen ebenfalls Freiheitsstrafen von bis zu einem Jahr.
Sparkasse: Was ist bei Doktortiteln aus dem Ausland zu beachten?
Dr. Rutger von der Horst: Das Führen eines im Ausland erworbenen akademischen Grades, beispielsweise eines Doktortitels, ist nicht per se rechtswidrig. Wenn tatsächlich akademische Leistungen erbracht wurden, also eine Dissertation eigenständig angefertigt wurde, und die Institution, die den entsprechenden Titel verleiht, zur Verleihung befugt ist und diese Stelle von deutschen Behörden anerkannt ist, dann ist der Erwerb des Titels legal. Gleiches gilt für Ehrentitel, beispielsweise den Doktor h.c., wenn die verleihende Stelle anerkanntermaßen derartige Verleihungen vornehmen darf.
Sparkasse: Woran erkenne ich, ob es sich um unseriöse Angebote handelt?
Dr. Rutger von der Horst: Es gibt einige Anzeichen, die auf illegale Praktiken hindeuten; etwa wenn der sogenannte Promotionsberater schriftlichen Kontakt vermeidet oder ein tatsächlicher Besuch der Universität nicht erforderlich sein soll. Oder die Existenz der Person des Doktorvaters ist nicht feststellbar, die Promotion soll innerhalb weniger Wochen erfolgen und es gibt keine offizielle Immatrikulation an einer anerkannten Universität. Vorsicht ist auch geboten, wenn der Schriftverkehr, etwa im Rahmen der Immatrikulation, ausschließlich über den Promotionsberater erfolgt und mit der Universität selbst gar kein direkter Kontakt besteht.
Anmerkung: Veröffentlichungen im Internet, siehe auch:
Dann kauf´ich mir ´n Doktortitel...
Der gekaufte Doktor Teil 1
Der gekaufte Doktor Teil 2
Doktortitel gibt es im Web... |